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Foto: Evi Flehschurz

11.11.2023

Esslings Straßennamen auf der Spur (1)

Ein Beitrag von Eva Flehschurz in ESSLING Nr. 9 - ein stadtteilmagazin (winter 2023/24) 

Der Auslöser Seit kurzem bin ich in dem Lebensabschnitt, aus dem noch niemand lebend rausgekommen ist – in der Pension. Daher habe ich Zeit, auch untertags an Veranstaltungen teilzunehmen. In der Pfarre Essling gibt es immer wieder Anima-Seminare. Vorträge zu den verschiedensten Themen werden innerhalb dieses Formates in einem Zyklus von mehreren Dienstag-Vormittagen angeboten. Unlängst war eine Seminarreihe der Literatur gewidmet. Da wollte ich natürlich dabei sein. Eine Buchhändlerin referiert unter anderem über die Wiener Kaffeehaus-Literaten. Im Zuge dessen wird Alfred Polgar genannt. Stolz, gerade so als ob es mein Verdienst wäre, vermelde ich: In der Donaustadt gibt es sogar eine Polgarstraße und ein Polgargym-nasium. Eine andere Teilnehmerin wirft ein: Und in Aspern haben wir eine Saltenstraße.Ich schaue verdutzt. Die ist jetzt aber nicht nach Felix Salten benannt, oder? Ja sicher ist sie das, meint sie.

35 Jahre lebe ich jetzt schon in Essling. So oft habe ich auf dem Weg von und nach Essling bei meinen unzähligen Fahrten mit dem 26A die Tonbandaufnahme "Saltenstraße" ankündigen gehört. 35 Jahre hindurch habe ich nie darüber nachgedacht, warum diese Straße so heißt. Nie ist mir auch nur ansatzweise in den Sinn gekommen, dass sie nach Felix Salten benannt sein könnte. An diesem Dienstagvormittag wird mir bewusst, wie wenig ich über Felix Salten weiß. Bambi stammt von ihm. Und die Mutzenbacherin wird ihm gerüchteweise zugeschrieben. Aber sonst?

Gleich als ich heimkomme, werfe ich den Computer an. Freund Wiki gibt bereitwillig Auskunft und ich lese: Im Jahr 1961 wurde in Wien-Donaustadt die Saltenstraße nach Felix Salten benannt. Eigentlich hieß er Siegmund Salzmann. Geboren wurde er 1869 in Budapest. Im berühmten Cafe Griensteidl ist er verkehrt und schloss dort Freundschaft unter anderem mit Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus. Mit letzterem überwarf er sich später. Felix Salten war Journalist und Chefredakteur. Anfangs war er vom Kriegsausbruch begeistert. 1917 beschrieb er ihn als Katastrophe. 1923 entdeckte ihn Walt Disney, der seine beiden Tiergeschichten "Der Hund von Florenz" und "Bambi" verfilmte. Die Nazis wurden von Salten anfänglich unterschätzt. 1935 wurden seine Bücher in Deutschland verboten. Nach dem Anschluss 1938 blieb er von persönlichen Repressalien jedoch verschont – der Grund dafür dürfte sein internationales Ansehen und der Schutz durch den amerikanischen Generalkonsul gewesen sein. Seine in der Schweiz lebende Tochter bewirkte eine Aufenthaltsgenehmigung für ihre Eltern, jedoch unter der behördlichen Auflage, keiner journalistischen Arbeit nach-zugehen. Seine letzten Lebensjahre waren von finanziellen Problemen geprägt, er war von den Tantiemen aus den USA abhängig. Streitigkeiten gab es auch um die Rechte an Bambi, die Salten für 1000 Dollar verkauft hatte. Salten starb im Oktober 1945 und liegt am Israelitischen Friedhof in Zürich begraben.

Spannend was man alles nicht weiß. Über eine Straße, die man schon lange kennt. Über einen Mann, nachdem sie benannt ist und dessen Werk Teil der eigenen Kindheit ist. Ich möchte schon aus dem Internet aussteigen, da springt mir der letzte Satz dieses Wikipedia-Eintrages ins Auge, dieser eine Satz, der mich an dieser Biografie am meisten überrascht: Salten war der Onkel des Kabarettisten Karl Farkas. Ich bin baff. Und nehme mir zum x-ten Mal vor, mich mehr mit den Straßennamen zu beschäftigen. Auch in Essling gibt es viele Straßenbenennungen, die einiges zu berichten haben. Beginnen möchte ich meine Spurensuche mit der Straße, in der ich wohne.

Warum heißt die Grossmann-straße Grossmannstraße?

... gebe ich in die Suchmaschine ein. Wien Geschichte Wiki liefert mir Antwort: Grossmannstraße (22) benannt (13. Mai 1982 Gemeinderats-ausschuss für Kultur) nach Ferdinand Großmann. Aha. Und wer war dieser Ferdinand Großmann? Ich klicke weiter und erfahre unter anderem: Großmann Ferdinand, geboren am 4. Juli 1887 in Tulln, Niederösterreich, gestorben am 5. Dezember 1970 in Wien (Zentralfriedhof, Ehrenhain Kultur-schaffender, Nummer 26), Komponist, Chorleiter. Sängerknabe war er und Gesangslehrer in Linz. 1919 kam er nach Wien. 1921 gründete er das Wiener Volkskonservatorium – heute Konservatorium der Stadt Wien. Weiters war er Chordirektor der Wiener Staatsoper, Leiter der Wiener Singakademie und der Wiener Hofmusikkapelle, sowie Professor an der Musikakademie und an der Akademie für Musik und darstellende Kunst. Von 1938 bis 1945 und von 1956 bis 1968 war er künstlerischer Leiter der Wiener Sängerknaben. Wow! Herr Ferdinand Großmann, ich fühle mich geehrt, in „Ihrer“ Straße wohnen zu dürfen.

Wenn die Kirschenallee erblüht

Eine Parallelstraße zur Grossmann-straße ist die Kirschenallee. Diese verdankt ihren Namen weder einem Felix noch einem Ferdi-nand noch einem sonstigen Herrn Kirsche. Nein, sie ist seit 1943 nach den hier gepflanzten Kirschbäumen benannt. Vorher hieß sie laut Aus-kunft von Wien Geschichte Wiki Lobaustraße, was durchaus nach-vollziehbar ist, führt sie doch von der Esslinger Hauptstraße bis zur Esslinger Furt – dem Eingang in die Lobau. Die alljährlich zahlreich blühen-den Kirschbäume sind es auch, die Willy Vranovsky in seiner Essling-Hymne zu musikalischen Ehren kommen lässt. Früher gab es im Donaustädter Bezirksteil Aspern parallel zum Biberhaufenweg auch eine Kirschenallee. Meine Mutter verbrachte dort ihre Kindheit. Die Asperner Kirschenallee wurde allerdings 1966 in Reiherweg um-benannt. Vermutlich deshalb, weil bei der Postzustellung schwierig zu unterscheiden war, welche Kir-schenallee versehen mit der Post-leitzahl 1220 Wien denn gemeint wäre. Während ich diesen Artikel schrei-be, stelle ich abermals fest, wie interessant es ist, sich mit den (Wie-ner) Straßennamen zu beschäftigen. Denn auch wenn es heute auf der Hand liegt, woher die Kirschenallee ihren Namen hat, finde ich doch spannend, dass selbst im Kriegsjahr 1943 der Amtsschimmel Zeit und Muße hatte, eine Straßenumbe-nennung durchzuführen, die nicht politisch motiviert war.

 

Kontakt & Angebote der Autorin

Eva Flehschurz, Schreibpädagogin

EviABC22@gmx.at

www.buchstabenaneinanderreiherei.at

Schreibfreu(n)de im Cafe

Jeden letzten Freitag im Monat von 10-12 Uhr

Fredi's Cafe, Esslinger Hauptstraße 76

Autorin: Eva Flehschurz


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