
Im Rahmen der Veranstaltung "Poetry Slam meets Impro-Theater" am 22. April präsentierte Eva Flehschurz bei ihrem Auftritt poetisch zusammengefasst die vielen kreativen Vorschläge zur informellen Benennung des neu gestalteten Platzes zwischen der Esslinger Kirche und Fredi's Cafe, die bei Treffpunkt Essling seit vergangenem Herbst eingetrudelt sind.
Der neu gestaltete Platz zwischen Kiche und Fredis Cafe
Eine große Umfrage wurde gestartet. Eine die gespannt auf ein Ergebnis wartet.
Nämlich: Wie soll der neugestaltete Platz zwischen Kirche und Fredis Cafe heißen? Welchen Vorschlag würdest du gerne ins Rennen schmeißen? Welche Namensgebung würdest du gutheißen? Welcher Titel würde dich vom Hocker reißen?
Welche Benennung könnte auf den Sinn des Platzes verweisen? Welche Anrede würde Kreativität und Innovation beweisen? Welche Buchstaben-Kreation würde sich auch nach längerer Zeit nicht verschleißen?
Natürlich könnt sich so mancher denken, haben die keine anderen Sorgen? Wer weiß, was wieder drinnen steht in unseren Zeitungen, morgen.
Welcher von den Wahnsinnigen die die Länder unserer Erde regieren, wieder dafür verantwortlich ist, dass Menschen wie die Fliegen krepieren
Und stattdessen stehen wir hier und diskutieren darüber, wie wir einen Platz benennen sollen.
Einen, der sich offiziell nicht einmal Platz nennen darf. Weil: Für Platzbenennungen der Gesetzgeber bestimmte Richtlinien entwarf. Es dafür also ganz spezieller Voraussetzungen bedarf.
Die ich jetzt gar nicht alle aufzählen mag. Denn mit den Regierungsvorgaben ist es oft eine ziemliche Plag.
Und ein Slam soll ja eine Rededauer von rund 6 Minuten nicht überschreiten. Deswegen möchte ich jetzt auch nicht auf irgendwelchen Paragrafen herumreiten.
Denn wir alle wissen, wehe wenn der Amtsschimmel einmal in die Gänge kommt und lauthals wiehert.
Wenn ich alle Bestimmungen aufgelistet hätte und hier vortrüge, würde meine Redezeit schneller als gedacht zu Ende sein. Echt wahr. Keine Lüge.
Was ich aber dennoch sagen möchte: auch wenns überall kracht und scheppert. Wir jeden Tag so viel Irrsinn zu hören bekommen, so verrückt und so deppert.
Muss man das alles hin und wieder zur Seite schieben und kurz vergessen. Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen oberflächlich und vermessen.
Aber: wenn die Kacke um dich herum so richtig am Dampfen ist, tuts einfach gut, wenn du den ganzen Scheiß für kurze Zeit vergisst.
Sich zwischendurch einfach mit scheinbar „Banalem“ beschäftigen. Ich kann das nicht nur für Kriegswirren und Co empfehlen und bekräftigen.
Auch bei persönlichen Dingen, wie Sorgen mit Nachwuchs oder sonstigem, handhabe ich das gerne immer wieder mal so. Da bin ich dann manchmal sogar über Ablenkungen wie einen Poetry Slam schreiben zu müssen ganz froh.
Deshalb lasst uns jetzt über den Platz der kein Platz sein darf fabulieren. Bevor wir uns hier noch allzu sehr im Detail verlieren.
Also: Bei der Umfrage kamen die Antworten herein zu Hauf. Viele davon plus so mancher Erklärung dazu zähle ich jetzt gerne auf.
Bitte nicht bös sein, wenn der eigene Vorschlag in meiner Aufzählung fehlt. Hat nichts mit Qualitätsstandards zu tun. Hätte mich nur beim Texten zu sehr gequält.
Ich schreib halt auch nicht alle Tage einen Slam, es ist doch erst mein Dritter. Und alle tollen Begriffe unterzubringen war mir nicht möglich, das ist für mich eh a bissl bitter. Weil ich doch immer um Perfektion und Vollkommenheit ritter. Das geht oft ans Eingemachte, das ist Hardcore für meine Neurotransmitter. Aber Schluss jetzt damit, wegen dem im Detail verlieren warats, lassen wir sie nun folgen, meine nicht ganz vollständigen Gedankensplitter.
Die da wären:
Blätterplatz, weil da sind so viele Blätter am Boden, meint ein Kindergartenkind. Ein anderes schlägt vor: Kastanienplatz, weil da ur viele Kastanien sind.
Ein drittes sagt: Cafeplatz weil es beim Fredi den besten Kaffee für meine Mama gibt. Vorschläge mit Bezug auf unseren Fredi und sein Kaffeehaus sind generell sehr beliebt.
Wie etwa Fredis Point, Gegenüber Fredis, Kuchenplatzerl oder Genussplatz. Betreffend Kirche und Pfarre ist Kirchenplatz bzw. Platzl ein häufiger Denkansatz.
Weiters Josefs Platz oder Sankt Josefsplatz in Bezug auf den Heiligen Josef, als deren Schutzpatron. Jemand anders schlägt als weibliches Pendent Josefinenplatzl vor, voll kreativer Passion. Die generell öfters genannte Niedlichkeitsform Platzl oder Platzerl steht auch symbolisch für unseren Wiener Jargon. Und Frauen rund um die Kirche sichtbar machen ist nicht nur hier, sondern auch im igentlichen Sinne eine längst überfällige Innovation. Doch lassen wir auch das, denn das Gespenst des Sich-im-Detail verlieren wartet hinter der Kirchenmauer schon.
Örtlichen Bezug findet man in Vorschlägen wie Dorfplatzl, Esslinger Platz, Esslinger Oase oder Esslingeria. Den Wunsch nach zwischenmenschlichem Austausch bei Einreichungen wie Plauder Oase, Tratscherlplatz oder Plauderia.
Weiters bei Begegnungsplatz, Jung & Alt Platzl, Platz für alle, Miteinanderplatz, Gemeinschaftsplatz, Treffpunkt Essling mit oder ohne Platz hinten dran. Auch einige Vorschlage betreffend Benennung nach Menschen oder Figuren schließen sich der Wunschliste an.
Georg Danzer, Mira Lobe und Meister Yoda wegen seiner Verdienste für den Frieden in der Galaxis - die drei sind wohl bestens bekannt. Auch der Kulturfleckerl-Initiator Roman Kuntner, Altpfarrer Günter Benes und der Wiener Wahnsinn-Bandleader Soberl werden unter anderem genannt.
Ein Vorschlag möchte sich gar bis ins Mittelalter, zu den Namensgebern von Essling, dem Geschlecht der Ezzelarn als Eslarn Platz zurückwagen. Von denen die noch unter uns weilen sind die Direktorin der Kirschenallee Ilse Pfeiffer, Pfarrer Bottig und Treffpunkt Essling-Frontfrau Sabine Gstöttner eingetragen.
Weitere Vorschläge wie Esslinger Herzstück, Herz Platz, Nimm-Platz, Hoffnungsplatz und Ethik Platz wollen ebenfalls mit ihrem Namen was aussagen. Genauso wie der Vorschlag Ex-Parkplatz, die verloren gegangenen Parkplätze führten sicher da und dort zu einigem Unbehagen.
So, das war es jetzt damit, meinen Querschnitt an Vorschlägen zu präsentieren. Das nächste Stadtteilmagazin Ende Mai wird auch über ein erstes Ergebnis informieren. Danach wird Treffpunkt Essling das Ergebnis dem Bezirk kommunizieren. Jedoch ohne große Hoffnung wecken zu wollen, dass sie dort eine Umbenennung auch akzeptieren. Doch ist geplant mit dem Bezirk darüber zu sinnieren, in welcher Form es gelingt, eine inoffizielle Benennung zu generieren. Schließlich ist das kaum mit Kosten verbunden, und sie müssen nichts extra budgetieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt, deswegen wollen wir darauf spekulieren, dass sie dort in ihren Büros die Wichtigkeit für uns Esslinger kapieren. Unseren Wunsch nach einem Platz mit klingendem Namen respektieren.
Ich sage danke für Zuhören, mein Slam ist jetzt aus, wer mag darf gerne applaudieren.
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